Das „Puppentheater Schubert“ gastiert im Theater Am Hagen

Nikolaus Habjan und das „Puppentheater Schubert“

Das Straubinger Figurentheater-Festival glänzt mit Superstars des Genres.

 

Seit vielen Jahren ist das Straubinger Figurentheater-Festival landesweit renommiert und glänzt mit Superstars des Genres. Nikolaus Habjan war 2019 mit zwei Stücken vertreten:

„F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“

Der Vater ist Alkoholiker, die Mutter nicht fähig, die Familie zu ernähren. So wächst Friedrich Zawrel auf. Kinderjahre in Kaisermühlen, Delogierung, Heim, schließlich Spiegelgrund, jene »Kinderfachabteilung« des Deutschen Reiches, in der Euthanasiemorde an kranken und behinderten Kindern stattgefunden haben. Vom Anstaltsarzt Dr. Gross wird Zawrel – als »erbbiologisch und sozial minderwertig« eingestuft – gequält, doch er kann aus der Anstalt fliehen. Erst im Jahr 2000 kommt es nach vielen Bemühungen Zawrels zum Gerichtsverfahren.

„Was Nikolaus Habjan und sein Regisseur Simon Meusburger in ihrer fast zweistündigen Inszenierung »F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig« dem Publikum präsentieren, ist ein selten gelungener, hoch interessanter Balanceakt zwischen Theater und Dokumentation.

Auf ebenso packende, wie berührende Weise arbeiten Nikolaus Habjan und Simon Meusburger in ihrem grandiosen Figurentheaterstück ein Stück österreichischer Geschichte auf. Die Inszenierung erhielt den Nestroypreis 2012 in der Kategorie Beste Off-Produktion.

 

„Der Herr Karl“

In Österreich begegnet man dem Herrn Karl in vielen Personen. Der Herr Karl, jener von Helmut Qualtinger und Carl Merz kreierte, schmierige, opportunistische und elendig selbstmitleidige Mitläufer, sozusagen die Personifikation alles Widerlichen in der österreichischen Seele.

Nikolaus Habjan lässt seine Puppen von früheren Zeiten schwärmen, von früheren Zeiten klagen, es war ja alles besser, nein furchtbar, man musste es sich eben richten. Der Herr Karl ist moralisch flexibel: Er demonstrierte für fünf Schilling für die Partei, die gerade angesagt war, Opfer war er natürlich immer. Die Vielschichtigkeit des verachtenswerten Charakters kommt durch die Aufteilung auf mehrere Figuren zum Ausdruck. Der Kaffeehausgast zählt die politischen Ereignisse herunter, an denen er selbst stets als aktiver Schaulustiger beteiligt war, der adrette Kellner referiert über Liebschaften, Jobs und Leben im Gemeindebau. Die Dame an der Bar hat sich stets bereichert, andere ausgenutzt.

Es ist ein amüsantes Spiel, dabei stets ermahnend und gefährlich authentisch. Es bringt zum Lachen, das Lustige hat dabei aber einen bitteren Beigeschmack: Denn der Herr Karl begegnet uns auch im Alltag, im Kaffeehaus, auf Facebook und manchmal in der eigenen Familie. Oder vielleicht gar in uns selbst?!

 

Zu beiden Stücken gaben wir Schulklassen die Möglichkeit eines Besuchs. Das Angebot wurde dankbar angenommen, da sie einen wichtigen Teil zur politischen Bildungsarbeit und Erinnerungsarbeit beitragen.

 

Begleitende Medien

Bilder

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