Februar 2014 :: Das Leben und Wirken des Pädagogen Janusz Korczak steht im Mittelpunkt bei unserem Auftakt „Projektzyklus zu Janusz Korczak“

Janusz Korczak – „Ein Schubkarren voller Steine“

Mit einem Vortrag von Siegfried Steiger über den Pädagogen Janusz Korczak startet unser Projektzyklus

 

Bereits vor Beginn des Projektzyklus zu Janusz Korczak nahm man Ende 2013 Kontakt mit der Deutschen Korczak Gesellschaft auf. Der Ehrenvorsitzende und langjährige Präsident der Gesellschaft stand von Beginn an mit Rat und Tat zur Seite und leistete wichtige Vernetzungsarbeit. Steiger war es auch, der mit einem beeindruckenden und interaktiven Vortrag den Zyklus am Bildungszentrum St. Wolfgang eröffnete.

 

Wer war Janusz Korczak?

Der Pädagoge, Arzt und Schriftsteller Janusz Korczak, der 1878 oder 1879 als Henryk Goldszmit in Warschau geboren wurde, nimmt eine Vorreiterrolle in der Kinderrechtsdiskussion ein. Noch bevor die internationale Gemeinschaft mit der Genfer Erklärung 1924 eine erste Deklaration über die Rechte der Kinder verabschiedete, appellierte er in seinen Schriften an die Erwachsenen, Kinder als vollwertige Menschen zu achten. Korczak formulierte Grundrechte für Kinder und setzte diese in seiner pädagogischen Praxis um. Nach dem Abschluss seines Medizinstudiums arbeitet er ab 1906 als Arzt in Warschauer Kinderkliniken, bis er sich schließlich ganz der „Sache des Kindes“ verschreibt. Im Jahre 1912 eröffnet er das jüdische Waisenhaus „Dom Sierot“ (Haus der Waisen) in der Krochmalnastraße 92 in Warschau, das er 30 Jahre lang als Direktor leitet. Zusammen mit Maryna Falska betreut er ein zweites Haus für polnische Waisen „Nasz Dom“ (Unser Haus). Im „Dom Sierot“ profiliert Korczak seine Ideen zu einem Erziehungsprogramm, das auf dem „Recht des Kindes auf Achtung und Liebe“ gründet, treu seinem frühen Credo „Kinder werden nicht erst Menschen, sie sind es bereits.“ Er ruft die erste Kinderzeitung der Welt ins Leben (1926) und erprobt Formen des demokratischen Zusammenlebens von Kindern (Kinderparlament, Gesetzbuch, Kameradschaftsgericht etc.). Zusätzlich zur Leitung der beiden Waisenhäuser hat Korczak Posten als Dozent für Sonderpädagogik sowie als Gutachter am Jugendgericht inne. Nach der deutschen Besetzung Polens muss Korczak 1940 mit seinen Waisenhauskindern von der Krochmalnastraße ins Ghetto übersiedeln. Von dort aus wird er im August 1942 zusammen mit seiner engsten Mitstreiterin Stefania Wilczynska, weiteren Mitarbeitern und über 200 Kindern nach Treblinka deportiert und ermordet. Obwohl Korczak mehrere Angebote zu seiner persönlichen Rettung erhält, lehnt er diese ab, weil er die Kinder nicht im Stich lassen will. Bereits zu Lebzeiten erwirbt Korczak sich einen internationalen Ruf durch literarische Tätigkeit. Die von Friedhelm Beiner und Erich Dauzenroth im Gütersloher Verlagshaus edierte Werkausgabe in 16 Bänden belegt eindrucksvoll die Breite seines CEvres und die Vielseitigkeit seines Schaffens. Die Sämtlichen Werke präsentieren einen pädagogischen Schriftsteller, der Satiriker, Humorist, Journalist, Rundfunkpionier, Feuilletonist, Meister der kleinen Form, Poet und Dramatiker gewesen ist, Autor von Traktaten und Porträts, von gesellschaftskritischer Publizistik, dazu Pionier der Rundfunkliteratur. Zahlreiche Biographien, Filme (da runter „Korczak“ von Adrzej Wajda) und szenische Entwürfe haben die dramatische Lebensgeschichte des „Vaters fremder Kinder“bekannt gemacht. 1972 erhält Korczak posthum den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der damals amtierende Bundespräsident Gustav Heinemann würdigte Korczak in seiner Rede als einen der Menschen, „die unserer Zeit als Vorbilder dienen können weil sie für Menschlichkeit kämpften (…) und weil ihr Denken nach vorn weist“.

 

Siegfried Steiger (Kurzbiogramm)

  • geb. in Nittenau / Oberpfalz (Bayern)
  • Abitur am Regental-Gymnasium Nittenau
  • Studium der katholischen Theologie, Germanistik, Geschichte und Altphilologie in Regensburg
  • Gymnasiallehrer (StD i.K.)
  • langjährige Ausbildertätigkeit beim Bayerischen Roten Kreuz in den Fachgebieten Schwimmen, Rettungsschwimmen und Tauchen; Gründer und Leiter des Experimentellen Theaters Günzburg (freies Amateurtheater); zahlreiche Bühnen- und Kulturprojekte mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen; diverse Publikationen (allein fünf Theaterproduktionen über Janusz Korczak); mehrere Auszeichnungen für außerordentliche Kulturarbeit
  • Aufführungen im In- und Ausland (z.B. Österreich, Schweiz, Polen, Kanada, Israel); langjähriger Vorsitzender der Deutschen Korczak-Gesellschaft (seit 2012 Ehrenpräsident der Deutschen Korczak-Gesellschaft)
  • Herausgeber und Mitautor des Korczak-Bulletins (für Deutschland, Österreich und die Schweiz)
  • Vortragstätigkeit (v.a. Leben und Werk von Janusz Korczak; pädagogische Fragestellungen)

 

 

Begleitende Medien

Bilder

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