Erinnerungsarbeit ist Demokratiearbeit :: Der 8. Mai vor 75 Jahren

Der 8. Mai – 75 Jahre

Menschenverachtung, Willkür und all umfassendes Herrschaftsstreben mit dem Willen zur Vernichtung fanden ihr Ende

 

Am 8. Mai vor 75 Jahren endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Mit insgesamt 60-70 Millionen Toten (andere Zahlen gehen von 80 Millionen Toten aus) steht der Zweite Weltkrieg für die Tragödie des 20. Jahrhunderts. Opfer konnte damals jede und jeder sein, welche(r) nicht dem Menschenbild der Nationalsozialisten entsprach. Menschenverachtung, Willkür all umfassendes Herrschaftsstreben mit dem Willen zur Vernichtung bildeten das Fundament.

Millionen von Menschen hat dies das Leben gekostet. Darunter 6.000.000 europäische Juden und 500.00 Sinti und Roma, 270.000 Euthanasieopfer… unzählige Homosexuelle, irgendwie Unangepasste, politisch Andersdenkende, Zwangsarbeiter, Opfer von Kriegsverbrechen… (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung).

75 Jahre Ende der Nazidiktatur – ein Tag der Befreiung

„The German war is at an end“ – mit diesen Worten richtete sich der britische Premierminister Winston Churchill am 8. Mai 1945 per Radioansprache an die britische Bevölkerung und verkündete das Weltkriegsende in Europa. Entfesselt vom Deutschen Reich, hatte der Krieg binnen sechs Jahren weltweit rund 60 Millionen Menschenleben gefordert; das europäische Judentum hatten die Deutschen nahezu ausgelöscht. In der Niederlage von 1945 auch eine Befreiung zu erkennen, fiel vielen Deutschen lange Zeit schwer. Im Alltagsbewusstsein der Bundesbürger wurde der 8. Mai zweifellos eher als „Niederlage“, „Katastrophe“ und „Zusammenbruch“ gedeutet denn als „Tag der Befreiung“. Erst Ende der 1970er Jahre vollzogen sich in der Gesellschaft tief greifende erinnerungskulturelle Umbrüche, die auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung des 8. Mai hatten. Große Bedeutung für diese Entwicklung hatte aber nicht zuletzt auch die US-amerikanische Fernsehserie „Holocaust“, die im Januar 1979 in Deutschland ausgestrahlt wurde und eine erste breite öffentliche Debatte über die systematische Entrechtung, Ausplünderung und Ermordung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus auslöste. Auch die Rede 1985 zum 40. Jahrestag des Kriegsendes des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker trug dazu bei, dass im Bewusstsein der bundesdeutschen Bevölkerung der 8. Mai als ein Tag der Befreiung von einem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gesehen wird:

„Es ist lebenswichtig, die Erinnerung wachzuhalten, sonst wird man blind für die Gegenwart.
Entsprechend ist der 8. Mai auch ein Tag der Erinnerung“.

Dieser Tag erinnert an dieses barbarische Unrecht und an die Verletzung aller zivilisatorischer Regeln. Wir erinnern daran im Namen der Humanität, im Namen der Gleichheit und der Würde, die unterschiedslos allem zukommt, was Menschenantlitz trägt, im Namen der Menschenrechte, die uns verpflichten, die uns binden und leiten und für deren Geltung wir eintreten.

Erschütternd ist immer noch, wenn wir sehen, in wie kurzer Zeit ganz normale Männer und Frauen, einmal mit dieser Ideologie vergiftet, zu Komplizen der Unterdrückungspraxis gemacht werden und manche sogar zu unbarmherzigen Menschenschindern und Mördern werden konnten. Und geradezu verstörend ist es, dass dies auch nach 75 Jahren immer noch und immer wieder geschieht. Menschen gleichsam jeden Alters oder sozialer Herkunft schließen sich auch heute noch in Kantinen, an Stammtischen und auf Pausenhöfen einer nationalistischen und fremdenfeindlichen Ideologie an. Antisemitismus (siehe Halle) und Antiislamismus (siehe NSU-Morde) gehen einher mit tödlicher Gewalt gegen deutsche Politiker (siehe Walter Lübke). Trotz aller Erinnerungsarbeiten avancierte der 8. Mai in der Vergangenheit auch zu einem zentralen, von öffentlichkeitswirksamen Aktionen begleiteten Erinnerungstag der extremen Rechten. Ein Beispiel sind die Aufmärsche von Neonazis im mecklenburgischen Demmin, die schon seit Jahren am 8. Mai stattfinden.

Das Bündnis „Wir sind bunt“ Straubing und Straubing-Bogen setzt sich seit nunmehr fast acht Jahren für Menschenrechte, Vielfalt und Demokratie ein. Mit Präsenz und Handeln in der Öffentlichkeit will man Menschen gewinnen, sich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sowie gegen jegliche Form von Demokratiefeindlichkeit zu stellen. Auch am 8. Mai war zur langen Straubinger Einkaufsnacht ein Aktionsstand zum Gedenken an das Kriegsende geplant, was ja aus bekannten Gründen nun nicht stattfindet. Das Bündnis will aber dieses Datum nicht unbeachtet verstreichen lassen mit dem Wissen, dass es Menschen gibt, die die Gräueltaten des zweiten Weltkriegs verharmlosen und den 8. Mai nicht als „Tag der Befreiung“ sehen. Der Tag soll uns mahnen, so wie es die Überlebenden der Konzentrationslager und der Todesmärsche es all die Jahre nach dem Kriegsende immer wieder getan haben, wachsam zu sein und allen Bestrebungen entgegenwirken, die die Demokratie, die Menschenrechte oder die Vielfalt in der Bevölkerung in Frage stellen. „Wir sind Bunt Straubing und Straubing-Bogen“ hat sich dies zur Aufgabe gemacht und hofft auf viele Unterstützer in der Bevölkerung bei unseren zukünftigen Aktionen wie die „Tafel der Kulturen“ oder Informationsstände auf dem Straubinger Stadtplatz.

Deshalb bitten die Verantwortlichen alle Bürgerinnen und Bürger, die den Zielen der Grundsatzerklärung des Bündnisses zustimmen, durch die Unterzeichnung dieser Erklärung dem Bündnis beizutreten.

Alle Informationen finden Sie auf der Internetseite http://www.wsb-straubing.de oder direkt auf unserer Webseite hier.

 

Begleitende Medien

Downloads

Ein Dossier von der Bundeszentrale für politische Bildung: Der Zweite Weltkrieg – eine historische Zäsur

Ein Artikel aus dem Straubinger Tagblatt über die Arbeit des Bündnisses „Wir sind bunt“