Der Verein „Queer in Niederbayern“ :: Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben – Wir sind Straubing“ wird die Veranstaltung gefördert. „Wir sind Straubing“ – „Wir sind bunt“ – „Queer in Niederbayern“

Erster Christopher Street Day in Straubing

CSD :: 1000 Farben – Queer durch Niederbayern

Der Verein „Queer in Niederbayern“ wird seine drei Corona-konformen Kundgebungen zum Christopher Street Day (CSD) dieses Jahr in Landshut, Kelheim und Straubing unter dem Motto „1000 Farben – Queer durch Niederbayern“ veranstalten.

Auch per Livestream wird eine Teilnahme von zu Hause aus möglich sein. Der Christopher Street Day, der sich für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Trans-Personen und Intersexuelle einsetzt und weltweit gefeiert wird, findet erstmalig in Straubing am Samstag, 26. September, ab 16.30 Uhr auf dem Ludwigsplatz statt.

„Niemand soll aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminiert werden – weder rechtlich noch gesellschaftlich!“

Damit können sich die Partnerschaften für Demokratie in Straubing sehr gut identifizieren.

Aus diesem Grund wird die Veranstaltung von „Wir sind Straubing“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Auch das Bündnis für Vielfalt Menschanrechte „Wir sind bunt“ wird mit einem Redebeitrag beteiligt sein. Als Schirmherren fungieren die stellvertretende Landrätin Rosi Deser sowie Bürgermeister Albert Solleder.

Der Verein „Queer in Niederbayern“ wird auch in Zukunft mit „Wir sind Straubing“ kooperieren. Dies wurde im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Vereins beschlossen.

 

Gedanken zum 1. CSD in Straubing von Johannes Falke

Mitglied des Sprecherrates des Bündnisses „Wir sind bunt“

Ich bedanke mich im Namen von Wir sind bunt für die Einladung. Unser Dank gilt den Veranstalter*innen, dem Verein Queer in Niederbayern und natürlich Euch, den Menschen, die so zahlreich erschienen sind, um heute zu feiern.

Wir sind bunt steht für Vielfalt und Menschenrechte. Seit 2008 wird unser Bündnis – aktuell bestehend aus knapp 500 Einzelpersonen, Vereinen, Initiativen, Religionsgemeinschaften, Firmen und Schulen – dort aktiv, wenn auf Ereignisse reagiert werden muss. Es ist für uns wichtig, Gesicht zu zeigen, Ausgrenzung nicht zu dulden und Menschenrechte zu wahren.
Wir werden aktiv um ein Miteinander wie z.B. bei der jährlichen Tafel der Kulturen zu feiern. Wir werden aktiv, wenn Rechtsextreme unseren demokratischen Raum einnehmen wollen. Wir unterstützen, wo wir unsere Grundsätze wiederfinden können. Wir stehen auf für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz – gegen Hass und Unterdrückung. Wer sich uns anschließen möchte, ist herzlich eingeladen.
Das Bündnis und der CSD haben mehr gemeinsam, als man glaubt.

Blicken wir in die 50/60er Jahre in die USA – Sich offen zu seinem Wesen, seinem Geschlecht oder seiner Orientierung zu bekennen, war dort nicht einfach, es gab für die Queer-Community wenig öffentliche Rückzugsorte wie Bars oder Cafes. Jedoch waren diese nicht der erhoffte Schutzraum. Es fanden regelmäßig Razzien statt, die Polizei fokussierte hierbei meist Afroamerikaner und Latinos.

1969 kam es zu einer weiteren Razzia in einer Bar in der Christopher Street – die Situation eskalierte und schlug zu einem mehrtätigen Aufstand um. Ein Resultat jahrelanger Unterdrückung und Schikane. Der entstandene Frust entlud sich schlagartig – die Community hatte es satt, wollte frei sein, ohne Angst leben und keine willkürlichen Kontrollen durch die Polizei fürchten zu müssen. Der Befreiungsschlag funktionierte und setzte ein neues Selbstbewusstsein. Politische Gruppierungen und die Medien machten sich erstmals stark und gaben der Community öffentlich ein Gesicht. 1 Jahr nach dem Aufstand, 1970, fand die erste Gay Pride statt, man feierte diesen Aufstand gegen die Unterdrückung zum ersten Mal.

Es ist fast schon erschreckend, dass man auch 51 Jahre später Parallelen zur Black Lives Matter Bewegung erkennen kann.

Wir kommen nach Europa, hier fand erst 8 Jahre später, im Jahr 1977, in Stockholm eine ähnliche Veranstaltung statt – der „Befreiungstag der Schwulen und Lesben“. Danach ging es im Jahresabstand durch weitere europäische Länder, 1979 schließlich auch in Deutschland, mit Bremen, Köln, Berlin und Stuttgart. Obgleich die Queer-Bewegung natürlich durchaus schon existierte, sie befand sich in der damaligen Zeit in einer Stagnation. Da kam der frische Wind des Jahrestags grade recht. Die Teilnehmerzahl lag zu Beginn in den Hunderten, aktuell sind es in den genannten Städten mehrere Hunderttausend. Bis wir schlussendlich in der Gegenwart ankommen, 2019 fand der erste CSD in Niederbayern in Landshut statt, 2020 das erste, und definitiv nicht das letzte Mal, auch in Straubing.

Damit schließt sich der Vergleich zum Bündnis, welches nach verschiedene Ereignissen 2012 gegründet wurde. Der versuchte Aufbau einer NPD-Zentrale in Straubing, Aktivitäten des Freien Netz Süd und dem Mordanschlag 2011 in Schweden gaben den Anlass, ein Bürgerbündnis zu gründen, welches sich antidemokratischen und menschenverachtenden Aktionen entgegenstellt.

Denkt immer daran – Es ist nie zu spät, gegen Missstände in der Gesellschaft aufzustehen. Es ist nie zu spät, sich gegen Unterdrückung aufzulehnen und sich für Menschenrechte einzusetzen. Wichtig ist nur, dabei friedlich zu bleiben, die Wissenschaft zu beachten und keinen populistischen Rattenfängern in die Hände zu spielen, die mit Hass, Fakenews und Pseudowissenschaft versuchen, diese Gesellschaft weiter zu spalten.

Lasst uns für eine Welt stehen, in der man ohne Angst verschieden sein kann, in dem man sich, ungeachtet der Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht, Alter, Aussehen und Religion gegenseitig respektiert.

Denn wir alle sind Menschen!

 

 

Begleitende Medien

Bilder

Impressionen vom ersten CSD in Straubing im September 2020
Bilder: R. Schaffner

Das slideshow-Fenster mit begleitenden Bildern und Impressionen zum ersten CSD in Straubing anzeigen ...

 

Downloads

Begleitende Presseartikel zum CSD in Straubing …