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Neonazismus in Niederbayern

Vortrag - Nowak

Ideologie und Praxis des Neonazismus

Fortbildung an der Fachakademie für Sozialpädagogik der Ursulinen Schulstiftung

 

„Neonazistische Gruppierungen begreifen eine pluralistische Gesellschaft als Feindbild“ war eine der wesentlichen Erkenntnisse des detailreichen Vortrags des Extremismuskenners Jan Nowak.

 

Zahlreiche Interessierte  fanden sich an der Fachakademie für Sozialpädagogik der Ursulinen-Schulstiftung in Straubing zusammen, um sich zum Thema „Neonazistische Ideologie und Praxis“ weiterzubilden.  Der zweigliedrige Vortrag vermittelte umfangreiche Einblicke in die Neonaziszene, mit Schwerpunkt Bayern und erörterte anschließend mögliche Berührungspunkte zwischen pädagogischer Arbeit und Rechtsextremismus. „Der Vorschlag, sich dieser Thematik zu widmen, entsprang dem Wunsch  der angehenden Erzieherinnen an der Fachakademie der Ursulinen“, so Sr. Judith Reis, Schulleiterin. Das Fortbildungsangebot richtete sich neben den Studierenden der Fachakademie auch an Pädagoginnen und Pädagogen aus den Bereichen: Kindergarten, Hort, Wohngruppen, mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit an Schulen.

 

Mehr als zwei Stunden waren die überwiegend weiblichen Zuhörerinnen konzentriert bei der Sache. Viele Begriffe und Szenecodes die nicht selten einen direkten Bezug auf den historischen Nationalsozialismus haben wurden eindrücklich erklärt und mit einer Vielzahl von authentischen Fotos dokumentiert. Der nicht allzu bekannte Begriff „Antiegalitarismus“, belegt die Nähe zur Ideologie des III. Reiches sehr anschaulich. Die grundsätzliche Gleichheit aller Menschen wird hierbei strikt abgelehnt und mit einem Wertigkeitsbegriff versehen. Unweigerlich denkt man an die Nürnberger Rassegesetze vom September 1935. Hier bekam der Rassenwahn seine „juristische Grundlage“.

 

Bildung, Soziales und Ökologie – Betätigungsfelder für Neonazis

„Arm trotz Arbeit“ steht bei einer Neonazidemo auf den Transparenten. Der Hinweis, den „Multikultiwahn“ zu stoppen folgt gleich dahinter, nur um ein Transparent weiter in der Erkenntnis zu enden, dass die Demokraten uns den Volkstod bringen.

Um möglichst viele Menschen für ihre Interessen zu begeistern, greifen Neonazis vermehrt soziale Themen auf, in der Hoffnung einen breiten Konsens in der Zivilbevölkerung zu erzielen. Als Beispiel müssen hier leider immer wieder Asylbewerberunterkünfte herhalten. Und bedauerlicherweise funktioniert gerade dies immer noch in erschreckender Weise.Rechtsextreme und neonazistische Ideologien stellen einen klaren Angriff auf demokratische Grundwerte dar. Immer häufiger sind derartige „Angriffe“ jedoch gar nicht  mehr so klar erkennbar und einer rechtsextremen Ecke zuzuordnen.

Obwohl, ideologisch betrachtet, ein liberales Erziehungs- und Bildungssystem für Neonazis wohl eher ein „Rotes Tuch“ darstellt, versucht man doch, mit wachsendem Enthusiasmus dort Fuß zu fassen, führt Nowak aus. Aus Beispiel hierfür nannte er eine Montessorischule in Niederbayern, an der ein hochrangiger NPD Funktionär in die Vorstandschaft des Trägervereins gelangte. Die Vermutung liegt nahe, dass alternative Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, die einer höheren Eigenverantwortung unterliegen als staatliche Einrichtungen, rechtsgerichteten Aktivismus begünstigen können. Auch der Trend, sich ökologischen Themen zu widmen hat Konjunktur. Man möchte mit möglichst unverdächtigen Mitteln eine Brücke in die Lebenswelten der Bürger bauen. Als Beispiel hierfür wurde die Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ angeführt, auf dessen Cover man dem Symbol der „Irminsul“ begegnet, welches unter anderem in der Zeit des Nationalsozialismus eine bedeutende Rolle spielte.

 

Nowak bezeichnet es als „Glücksfall“ dass Symbolik und Duktus der Neonazis häufig einen sehr deutlichen Bezug zum historischen Nationalsozialismus aufwiesen. Dieser sei jedoch von Laien nur schwer erkennbar.

 

Komplexität der Thematik

Eine Hörerin aus dem Bereich der Jugendarbeit formulierte es so: „ Es ist schwer, sich in dieser komplexen Thematik zurechtzufinden und bin deshalb sehr froh über solche Angebote des Aktionsplans. Der Vortrag zeige deutlich, dass sich diese Form des Extremismus nicht mehr nur in den mit Springerstiefeln besohlten „Randgruppen“ abspiele, sondern, dass Neonazis mit ihren Bestrebungen die Mitte der Gesellschaft im Visier haben. Sie unterwandern Elternbeiräte in Kindergärten und Schulen, zeigen sich großzügig gegenüber Sportvereinen und produzieren Ökozeitschriften. Das stereotype Bild vom martialischen Skinhead als Identifikationsfigur ist längst dahin. Leider ist diese Tatsache jedoch noch nicht in der demokratischen Mehrheitsgesellschaft angekommen.

Eine Kollegin aus der Hortarbeit ergänzt: „Mir war bisher nicht klar, welches Repertoire die drauf haben. Ich habe heute viele erfahren, was mir völlig neu war und ich an meine Kolleginnen und Kollegen weitergeben kann“.

 

Einige aktuelle Zahl aus einer Umfrage der Friedrich Ebert Stiftung setzt den Schlusspunkt der Veranstaltung: Nahezu 10 % der Bevölkerung sind der Meinung, dass es sowohl „wertvolles“ als auch „nicht wertvolles Leben“ gäbe. Dies zeigt, wie nötig eine weitreichende Auseinandersetzung mit der Thematik des Neonazismus für die Gesellschaft ist.

 

 

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