Stadt Straubing

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Deutsches Erwachsenen-

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25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention

Janusz Korczak und die Kinderrechte

Der Blick ins Freie – Janusz Korczak und die Kinderrechte

Zum 25-jährigen Bestehen der UN-Kinderrechtskonvention.

 

"Ich fordere die Magna Charta Libertatis, als ein Grundgesetz für das Kind.“ So schrieb Janusz Korczak 1919 in seinem Buch „Wie man ein Kind lieben soll“

Das Recht auf Selbstbestimmung und die Freiheit eigene Erfahrungen sammeln zu dürfen, das Recht auf seine Zeit, um den eigenen Bedürfnissen nachgehen zu können, um so zur Selbstverwirklichung zu finden. Und schließlich das Recht des Kindes so zu sein, wie es ist.

 

Siebzig Jahre später finden sich diese und viele andere Aussagen Korczaks in der UN- Kinderrechtskonvention von 1989 wieder, die am 20. November nun ihr 25–jähriges Bestehen feiert. Dieses Jubiläum nahmen die Verantwortlichen des Lokalen Aktionsplans zum Anlass, einen Themenabend im Veranstaltungssaal der Israelitischen Kultusgemeinde zu organisieren. Auf beeindruckende Weise stellte Siegfried Steiger, Ehrenvorsitzender der Deutschen Korczak Gesellschaft und selbst Pädagoge, Korczaks herausragende Rolle dar. Bereits vor mehr als 100 Jahren erkannte dieser Grundsätze in der pädagogischen Arbeit, die heute zwar unbestritten, jedoch nach wie vor keine Standards sind. Das von Korczak gegründete Waisenhaus „Dom Sierot“ war ein Ort gelebter Partizipation. Was den „alten Doktor“, wie er von den Kindern liebevoll genannt wurde, wohl am meisten von anderen großen Namen wie Montessori oder Pestalozzi unterscheidet ist die Tatsachen, dass er die Pädagogik mit seinen Kindern lebte, für sie stets greifbar und nahbar war und letztendlich auch bereit war mit ihnen in den Tod nach Treblinka zu gehen. Wie Steiger es formuliert, war es stets ein Bestreben Korczaks, den Kindern den Blick ins Freie zu ermöglichen. Kinder brauchen ein offenes Fenster, durch das Luft und Licht dringt. Gemeint ist damit, die Teilhabe am Leben, an der Bildung, und die Möglichkeit zu einer Selbstbestimmtheit zu finden.

 

Generationsübergreifender Künstlerdialog

Ein weiterer ungewöhnlicher und spannungsreicher Aspekt des Abends war die Zusammenschau der kreativen Auseinandersetzung mit Korczak durch zwei Künstler. Zum einem, durch die Werke des ehemaligen Waisenhausbewohners Itzchak Belfer aus Tel-Aviv (dem letzten, noch lebenden Zöglings Korczaks) und zum Anderen durch die Bilder seines jungen Freundes Jakob Steiger. Durch die bereits Jahrzehnte lang bestehende Freundschaft der Familie Steiger zu Itzchak Belfer ist Jakob seit seiner Kindheit mit der Thematik eng vertraut.

Neben Originalwerken Belfers brachte Jakob Steiger 14 seiner Arbeiten mit. Der Stilmix zwischen eines 91-Jährigen und eines jungen Mannes brachte eine sehr emotionale Dynamik hervor. So unterschiedlich die Herangehensweise an Korczak auch sein mag, treten die Bilder in einen stillen Dialog zueinander und bilden eine starke Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es geht dabei um einen Bildwechsel zwischen Erinnerung und verstelltem Blick. Die kleine Werkschau beider Künstler gibt Aufschluss, wie eine bildnerische Auseinandersetzung mit Janusz Korczak und seinem Werk in der heutigen Zeit aussehen kann, wenn man Janusz Korczak nur von Bildern und Texten zu kennen glaubt.

Neben den Bildern sorgte eine kleine Bronzestatue Belfers für großes Aufsehen unter den Gästen. Sie zeigt Korczak umringt von Kindern. Die mitgebrachte Originalarbeit diente als Vorlage für das einzige Korczak-Denkmal in Deutschland. Sie befindet sich in Günzburg und wurde 2004 dort von Belfer gefertigt. Das vielleicht Anrührendste an diesem Denkmal ist, dass es Menschen im wahrsten Sinne auf Augenhöhe begegnet. Es strahlt die Wärme und Nähe aus, die Belfer in der Obhut des „alten Doktors“ im Dom Sierot widerfahren war.

 

Noch zwei weitere Elemente, nämlich die Musik von Max Besold auf dem Marimbaphon (& Blumentöpfen) sowie Gedichtrezitationen und eine Kurzgeschichte machten den Abend zu einem besonderen Ereignis. Mit Alexa Eberle und Susanne Nusser (Ensemblemitglieder des Experimentellen Theaters Günzburg) standen Siegfried Steiger zwei fabelhafte Sprecherinnen zu Seite, die für einen lebendigen Vortrag sorgten. Die Konzeption des Abends sei speziell für Straubing erarbeitet worden. Manche Gedichte feierten im Saal der Israelitischen Kultusgemeinde sogar Premiere und stehen kurz vor ihrer Veröffentlichung. Durch die Vereinigung von Information und unterschiedlicher Kunstformen entwickelte sich im Laufe des Abends eine Atmosphäre, die das Publikum emotional tief bewegte. Ein audiovisueller Exkurs, der für alle sehr nachhaltig sein dürfte.

 

Fortsetzung der begonnenen Arbeit

Die Inhalte der Veranstaltung „Der Blick ins Freie“ werden derzeit in einer Ausstellung Zusammengefasst, die in Kooperation mir Siegfried Steiger, Jakob Steiger, Itzchak Belfer, dem Experimentellen Theater Günzburg sowie dem Lokalen Aktionsplan der Stadt Straubing erarbeitet wird. Man schätzt sich sehr glücklich, für den Projektzyklus zu Janusz Korczak so viele engagierte und authentische Kooperationspartner gefunden zu haben. Eine Fortsetzung der Arbeit wird es auch 2015 geben. Mit der Fachakademie für Sozialpädagogik der Ursulinen Schulstiftungen sind bereits Projekte in Planung.

 

 

 

 

 

Blick ins Freie