Stadt Straubing

Integration / federführendes Amt PfD

 

Roman Schaffner

Postfach 0352

94303 Straubing

 

Tel: 09421 – 944-70130

 e-mail: roman.schaffner@straubing.de

 

 

DEB 

Deutsches Erwachsenen-

Bildungswerk

gemeinnützige GmbH

Koordinierungs- und Fachstelle PfD


Zvonimir Pervan

Am Platzl 13a

94315 Straubing

 

Tel.: 09421 - 18985-10

Fax: 09421 - 18985-50

e-mail: z.pervan@deb-gruppe.org

 

 

DEB

Deutsches Erwachsenen-

Bildungswerk

gemeinnützige GmbH

Koordinierungs- und Fachstelle PfD


Dr. Ferdinand Stoll

Am Platzl 13a

94315 Straubing

 

Tel.: 09421 - 18985-11

Fax: 09421 - 18985-50

e-mail: f.stoll@deb-gruppe.org

Der Blick ins Freie - Ausstellung

Der Blick ins Freie

Es geht dabei um einen Bildwechsel zwischen Erinnerung und verstelltem Blick. Im Mittelpunkt dieses Feldes steht die Frage nach der künstlerischer Auseinandersetzung zwischen der Erinnerung eines Zeitzeugen einerseits und dem Umgang mit Zeitzeugen und Zeitzeugnissen andererseits. Wie kann eine bildnerische Auseinandersetzung mit Janusz Korczak und seinem Werk in der heutigen Zeit aussehen, die eine Öffnung auf einen Betrachter hindarstellt, der Janusz Korczak nur von Bildern und Texten zu kennen glaubt. Es geht um eine bildnerische Präsenz, die Vorstellungen und Ideen des Gegenüber aufgreifen kann und eine Projektionsfläche eröffnet, die im verstellten Blick der Nachwelt wieder mit neuenRezeptionsmöglichkeiten spielt. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, wird auch die Originalstatue „Korczak und die Kinder“ von Itzchak Belfer zu sehen sein. Die Statue wurde bisher in Deutschland nur im Deutschen Historischen Museum sowie an der Universität Augsburg gezeigt. Diese Statue diente Belfer auch als Modell für das Schaffen des einzigartigen Korczak-Denkmals in Günzburg.

Itzchak Belfer

Der Blick ins Freie

Itzchak Belfer wurde 1923 in Polen geboren, verlor früh den Vater und lebte mit fünf Geschwistern und seiner Mutter unter ärmlichen Verhältnissen, bis er 1930 in das Waisenhaus von Dr. Janusz Korczak kam, wo er bis 1938 ein neues Zuhause fand, das ihm nicht nur eine Erziehung zu einem, wie er sagt, „liberalen Menschen“ bot, sondern auch seine kreativen Fähigkeiten förderte. „Das Haus schuf eine Atmosphäre, in der ein Kind sich und seine Talente und Fähigkeiten entwickeln konnte. Und bei mir war eben das Talent zum Zeichnen und Malen angelegt, was Frau Stefa und Korczak auch schnell erkannt haben und mir das ermöglichten, indem sie mir alle nötigen Materialien zur Verfügung stellten und auch einen entsprechenden Raum, wo ich, wann immer ich wollte, malen und zeichnen konnte ,ohne jegliche Kontrolle und Aufsicht.“

 

Kurz vor der deutschen Besetzung Polens verlässt Belfer das Waisenhaus, wird 1939/40 in ein Arbeitslager gesteckt, aus dem er allerdings fliehen kann. Er schlägt sich durch die Wälder nach Russland durch und findet in einem Kohlebergwerk im Ural - trotz seines geringen Alters - Arbeit.

Als er am Ende des 2. Weltkrieges nach Polen und Warschau zurückkehrt, um seine Angehörigen zu suchen, findet er niemanden mehr vor. Statt dessen muss er erkennen, dass im neu zu ordnenden Polen immer noch - oder schon wieder - ein deutlicher Antisemitismus herrscht.

Und so beschließt Belfer, nach Palästina auszuwandern, wo er nach einem - von den Engländern erzwungenen - Zwischenaufenthalt auf Zypern 1948 eine neue Heimat findet. Er studiert an der Kunsthochschule und ist bis heute unermüdlich als Künstler und Dozent für Kunstgeschichte in Tel-Aviv tätig. Immer wieder thematisiert Belfer den Holocaust (auch bei internationalen Ausstellungen) und immer wieder kreist sein Schaffen um ein zentrales Motiv: Janusz Korczak. „Mein Glaube ist Korczak“, sagt er. „Ein bisschen Korczak, das ist nicht Korczak!“

 

Seine Bilder über das Warschauer Getto und die Shoa sind meistens in schwarz- weiß gehalten. Es sind düstere, aufrüttelnde, expressive und schmerzende Arbeiten, in denen er versucht, das Unsagbare zum Ausdruck zu bringen, in denen er das unbegreifliche Maß an Unmenschlichkeit sichtbar und greifbar machen möchte. Dies gilt auch für seine Skulpturen. Dabei fühlt er sich stets seinem Gewissen verpflichtet, die Tragödie der Vergangenheit nicht in Vergessenheit versinken zu lassen.

In seinen Arbeiten über das Waisenhaus, über den „alten Doktor“ und Frau Stefania werden Kindheitserinnerungen wach: Korczak - denkend, lesend, schreibend, erzählend... Korczak mit Kindern, Stefa mit Kindern... immer kommt der Respekt vor den Kindern und eine fürsorgliche, fast möchte man schon sagen: naive Liebe zu den Kindern zum Ausdruck.

Dabei bedient sich Belfer verschiedener Techniken: Kohle, Tusche, Graphit, Wasserfarben...? Seit einiger Zeit werden seine Arbeiten bunter, farbiger, fröhlicher, versöhnlicher.

Seit den frühen 90er Jahren ist Belfer mit Siegfried Steiger befreundet. Gegenseitige Besuche und Treffen fanden in Polen, Israel und Deutschland statt.?Sie haben gemeinsame Buchprojekte verwirklicht und im Jahr 2003 das Korczak-Denkmal in Günzburg realisiert. „Korczak und die Kinder“, eine der beeindruckendsten Skulpturen des Künstlers Belfer hat seitdem in der Geburtsstadt des berüchtigten KZ-Arztes Josef Mengele ihren festen, mittlerweile auch viel beachteten Platz.

Belfer ist 91 Jahre alt und gehört zu den letzten noch lebenden Zöglinglingen aus dem Waisenhaus in der Krochmalna-Straße 92.