Stadt Straubing

Integration / federführendes Amt PfD

 

Roman Schaffner

Postfach 0352

94303 Straubing

 

Tel: 09421 – 944-70130

 e-mail: roman.schaffner@straubing.de

 

 

DEB 

Deutsches Erwachsenen-

Bildungswerk

gemeinnützige GmbH

Koordinierungs- und Fachstelle PfD


Zvonimir Pervan

Am Platzl 13a

94315 Straubing

 

Tel.: 09421 - 18985-10

Fax: 09421 - 18985-50

e-mail: z.pervan@deb-gruppe.org

 

 

DEB

Deutsches Erwachsenen-

Bildungswerk

gemeinnützige GmbH

Koordinierungs- und Fachstelle PfD


Dr. Ferdinand Stoll

Am Platzl 13a

94315 Straubing

 

Tel.: 09421 - 18985-11

Fax: 09421 - 18985-50

e-mail: f.stoll@deb-gruppe.org

Autorenlesung mit Claudia Hempel

Autorenlesung

„Toleranz fördern – Kompetenz stärken“

 

Die Autorin Claudia Hempel las am 24.05.2012 aus ihrem Buch "Wenn Kinder rechtsextrem werden" und stand anschließend für eine Diskussion zur Verfügung.


Warum" gerade ich? Warum gerade mein eigenes Kind? Warum hilft mir keiner? Bedrängende Fragen von Müttern, deren Kinder Neonazis sind. Die Journalistin Claudia Hempelhat sich mit betroffenen Eltern unterhalten und ein aufrüttelndes Buch geschrieben: „Wenn Kinder rechtsextrem werden“. Aus dieem liest die Autorin am Dienstag, 22. Mai, um 19 Uhr in der Mathias-von-Flurl-Schule (Staatliche Berufsschule II) bei freiem Eintritt. Vorab sprachen wir mit Claudia Hempel über ihr Buch.

Frau Hempel, mit „Wenn Kinder rechtsextrem werden“ ist Ihnen ein aufruttelndes Buch gelungen. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?
Es handelt sich hierbei um ein ganz wesentliches Thema in unserem Land, dieser unterschwellige Rechtsextremismus, deshalb wollte ich gerne darüber schreiben. *Mein erstes Buch handelte über Arbeitslosigkeit und ich habe dazu Frauen befragt. Ich wollte gerne wieder mit Menschen sprechen, Bücher über Aussteiger gibt es jedoch, schon zu viele. Also habe ich beschlossen, mit Eltern zu reden. Ein erster Kontakt war mit einer flüchtigen Bekannten, die eine alternative Schule gegründet hat. Deren Sohn ist rechtsextrem und ich konnte das am Anfang gar nicht glauben. Ich musste selbst einige Vorurteile über Bord werfen, ich dachte immer, rechtsextrem werden nur Kinder, die das von ihren Eltern vorgelebt bekommen oder deren Eltern sich nicht genügend um sie gekümmert haben. Dass dieses Thema auch ganz normale Familien betrifft, habe ich nach und nach bei der Recherche zu meinem Buch erfahren.

Wie sind Sie an die Kontakte gekommen?
Das war schon eine mühsame Odyssee. Teilweise habe ich viel Mund-zu-Mund-Propaganda genutzt und bin viele informelle Wege gegangen. Über eine Elterngruppe in Berlin ergaben sich auch ein paar Kontakte. Ich musste ganz viel rumfragen und hartnäckig bleiben. Die Recherche hat knapp zwei Jahre gedauert, und manchmal dachte ich schon, es wird nichts.


Aus Ihrem Buch wird deutlich, dass viele Eltern die Anzeichen, dass sich ihr Kind der rechten Szene annähert, zu spät erkennen. Was können Eltern dagegen tun, worauf sollten sie achten?
Das ist schwer zu generalisieren, denn jeder Fall ist anders und Kinder sind schlau. Die sagen nicht beim Frühstück plötzlich: „Ich bin jetzt rechtsextrem.“ Die wissen ja, dass ihre Eltern das nicht gut finden und somit beginnt oft ein langes Versteckspiel. Für Eltern ist es wichtig, die Codes, die Symbole und die Kleidungsmarken zu kennen, die die Rechtsex-tremen benutzen. Die Eltern sollten sich mit der Ikonographie vertraut machen, damit rechtzeitig die Alarmglocken schrillen. Deshalb habe ich in meinem Buch auch den Teil gemacht, in dem alles aufgeführt und erklärt ist.

Auch geht aus Ihrem Buch hervor; dass viele Eltern total hilflos bei der Frage -sind, wer sie unterstützt, um ihr Kind wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Haben Sie einen Tipp?
In Bayern gibt es die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus, die sehr gut vernetzt undin ganz Bayern vertreten ist. Sie bietet betroffenen Eltern Unterstützung und Hilfe. 

Tut sich auch was in Sachen Unterstutzung an den Schulen?
Das ist sehr schwierig, hier muss man durchaus Kritik an den Lehrern üben, die sich stärker engagieren und in ihrer demokratischen Grundgesinnung positionieren könnten. Viele lehnen sich zurück aus Desinteresse und Angst. Bei den Schulen gibt es viele Versäumnisse diesbezüglich.

Was erwartet die Zuhörer bei dem Abend am Dienstag in der Berufsschule II?
Ich werde drei eingekürzte Geschichten aus dem Buch vorstellen. Danach gibt es breiten Raum zu Fragen und Diskussion. Meist entspinnt sich eine sehr schöne und lebendige Diskussion. Ich gehe davon aus, dass dies auch in Straubing der Fall sein wird.

Interview: Melanie Bäumel