Stadt Straubing

Integration / federführendes Amt PfD

 

Roman Schaffner

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94303 Straubing

 

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 e-mail: roman.schaffner@straubing.de

 

 

DEB 

Deutsches Erwachsenen-

Bildungswerk

gemeinnützige GmbH

Koordinierungs- und Fachstelle PfD


Zvonimir Pervan

Am Platzl 13a

94315 Straubing

 

Tel.: 09421 - 18985-10

Fax: 09421 - 18985-50

e-mail: z.pervan@deb-gruppe.org

 

 

DEB

Deutsches Erwachsenen-

Bildungswerk

gemeinnützige GmbH

Koordinierungs- und Fachstelle PfD


Dr. Ferdinand Stoll

Am Platzl 13a

94315 Straubing

 

Tel.: 09421 - 18985-11

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Straubinger Lebenswelten

Familie Turhan stellt sich vor Titelbild

„Toleranz fördern – Kompetenz stärken“

Die Familie Turhan stellt sich vor

Fatma Turhan                                               
Die 1941 geborene Türkin kam am 16. Juni 1969 nach Straubing - zunächst ohne ihren Mann und ohne ihre zwei kleinen Kinder. Die gelernte Schneiderin war damals 28 Jahre alt und kam in die Bundesrepublik, um zu arbeiten und Geld zu verdienen. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt zunächst bei der Firma Bahner als Schneiderin und wechselte dann zu Ski Völkl. Nebenbei zog sie ihre drei Kinder groß und erledigte kleine Näharbeiten von zu Hause aus. Inzwischen ist Fatma Turhan im Ruhestand und verbringt mit ihrem Mann stets den Sommer in der Türkei, wo sich das Ehepaar eine kleine Wohnung in einem Ferienort gekauft hat. Im Herbst und Winter sind die Turhans dann in Deutschland.     

 

Zeki Turhan                                                     
Geboren am 15. Februar 1941, kam Zeki Turhan ein paar Monate nach seiner Frau nach Straubing und folgte ihr mit den 18 Monate und zweieinhalb Jahre alten   Kindern. Zunächst übernahm er in Deutschland Hilfsarbeitertätigkeiten im Asphaltbau und bei der Firma Ski Völkl, um dann lange Jahre bei der Firma Ilmberger in Straubing zu arbeiten. In den Sommerferien reiste die Familie immer für sechs Wochen nach Istanbul - mit Kind und Kegel und mit dem Auto. Seit zehn Jahren ist Zeki Turhan nun Rentner, er ging in den Vorruhestand. Mit seiner Frau Fatma verbringt er Frühjahr und Sommer stets in der gekauften Ferien-wohnung in der Türkei, um den Rest des Jahres dann in Straubing zu verleben.  

 

 

"Integration funktioniert nur, wenn man dort, wo man lebt, sich zu Hause fühlen darf."   Su Turhan

Su (Süleyman) Turhan kam in Istanbul zur  Welt und wanderte im Alter von zwei Jahren als Kind türkischer Gastarbeiter nach Deutschland ein. Er besuchte die Ulrich Schmidl - Schule und das Ludwigsgymnasium. Nach dem Abitur studiert er Deutsche Literatur an der LMU Mün-chen und schloss als Magister Artium ab. Filmkenntnisse parallel zum Studium eignete er sich bei diversen Filmprojekten an. Der Entschluss reifte, ins Autoren- und Regiefach zu wechseln.                                 
1998 verwirklichte als filmischer Autodidakt seinen ersten Kurzfilm. 2001 gelang es ihm, Kameramann Michael Ballhaus für seinen weltweit ersten in HD für die Leinwand produzierten Kurzfilm “Gone Underground” zu gewinnen. Neben dem Deutschen Kurzfilmpreis in Silber, vielen Preisen und Auszeichnungen, wurde "Gone Underground” auf über 50 Festivals gezeigt. Auch als Drehbuchautor etablierte sich Turhan nach und nach. Sein Spielfilmdebüt AYLA feierte im Wettbewerb auf dem Filmfestival Max-Ophüls Preis 2010 Uraufführung. Seit 2012 widmet sich Turhan auch dem literarischen Schreiben. 2013 veröffentlicht er seinen ersten Roman „Kommissar Pascha", der zweite Roman ist am Entstehen. Su Turhan lebt in München und ist mit einer waschechten Münchnerin verheiratet. Mit seinen Kindern, dem fünfjährigen Sohn Floyd Koray und der achtjährigen Lyn Aylin, und seiner Frau besucht er so oft wie möglich die Eltern in Straubing.  

 

 

Integration.......  Ich gehe meinen Weg!  Muhtesem  Turhan  

Muhtesem  Turhan, 1968 in Istanbul geboren, kam wenige Monate nach der Geburt als Gastarbeiterkind nach Straubing. Er absolvierte die Mittlere Reife an der Jakob Sandtner Schule in Straubing und zeichnete sich als Jahrgangsbester in Englisch aus. Seine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten in Französisch und Englisch absolvierte er an der Fremdsprachenschule in Regensburg. Anschließend besuchte er die Fachakademie für Übersetzer und Dolmetscher und ließ sich zum staatlich geprüften Dolmetscher in Englisch mit Fachgebiet Wirtschaft ausbilden. Danach lebte er vier Jahre lang in England. Zunächst als Fachlehrer für Deutsch in Peterborough / Cam-bridgeshire. Im Anschluss wechselte er als Übersetzer für Softwareapplikationen (GST Software) nach St. Yves / East Anglia. Seit der Rückkehr nach Deutschland 1994 ist er bei der Eurographics AG mit über 200 Mitarbeitern als Vertriebsleiter für den internationalen Bereich tätig.                                       

 

 

"Integration ist dann möglich, wenn man aufeinander zugehen kann
und offen für andere Menschen ist, ohne dabei die eigene Identität
und Wurzeln zu vergessen." Özlem Turhan

Özlem Turhan besuchte die Grund- und Hauptschule Ulrich Schmidl und wechselte dann an die Realschule der Ursulinen in Straubing, die sie mit der Mittleren Reife abschloss. Ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin in den Fremdsprachen Englisch und Französisch absolvierte sie an der Fremdsprachenschule in Regensburg. Sie arbeitete zunächst im Anzeigenservice des Straubinger Tagblatts und wechselte dann zum Amazon.de Kundenservice in Regensburg. Von 2001 bis 2007 arbeitete sie bei ALSO Deutschland GmbH als Key Account Manager, zuständig für das Vertriebsgebiet Bayern und Baden-Württemberg. Ihren Mann Stefan heiratete Özlem 2003. Ihre Tochter Sara kam 2007 zur Welt, 2012 folgte Tochter Ina.    

 

Interviews: Melanie Bäumel-Schachtner

Ein Heimat im Dazwischen

Zeki Turhan, Fatma Turhan, Nail Demir (v.l.n.r.)

Zeki Turhan, Fatma Turhan, Nail Demir (v.l.n.r.)

Die Familie Turhan lebt seit über 40 jahren in Straubing 

(von M. Schneider-Stranninger)

 

Fatma Turhan ist eine außergewöhnliche Frau. Am 16. Juni 1969 kam sie nach eigenen Worten als erste türkische Gast- arbeiterin nach Straubing. Die gelernte Schneiderin war damals 28 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier kleiner Kinder. Sie kam als Frau nicht etwa dem Mann hinterher gereist, sie ging das Wagnis ein, allein nach Deutschland zu gehen. Mann ?md Kinder zogen später nach. „Arbeiten und Geld verdienen“, die Hoffnung auf ein besseres Leben, so bringt sie auf den Punkt. was alle türkischen Gastarbeiter damals in die Fremde zog. Am morgigen 30. Oktober jährt sich zum 50. Mal das Abkommen zwischen Bundesrepublik und Türkei über die Vermittlung türkischer Arbeitnehmer. Die deutsche Textilindustrie war 1969 noch in voller Blüte. Schneiderinnen waren gefragt. Fatma Turhan ging in Istanbul aufs Arbeitsamt, absolvierte ein Auswahlverfahren und wurde prompt nach Straubing vermittelt. Das sei der einzige Grund gewesen, dass sie als erste in der Familie den Sprung in die Fremde wagte. Auch ihr Mann hatte sich beworben, bekam aber erst nach ihr den Zu- schlag. Leicht ?el es ihr nicht, erzählt sie, das jüngste Kind sei gerade mal 18 Monate alt gewesen, das andere zweiein- halb. Sie hat sie in der Obhut der Schwiegermutter zurückgelassen. „Da tut mir heute noch das Herz weh“. sagt die 67- Jährige. Mit dem Zug fuhr sie nach Deutschland. Sie kann sich erinnern, dass von ihr ein Bild in der Zeitung war, „Straubings erste türkische Gastarbeiterin“. Sie fing in der Textilfabrik Bahner an. „Ich konnte kein Wort Deutsch“, sagt sie kopfschüttelnd, und eine realistische Vorstellung, wie es hier ist, hatte sie auch nicht. Gewohnt hat sie mit drei türkischen Kolleginnen in einer kleinen einfachen Wohnung. „Die drei anderen haben immer mich zum Einkaufen geschickt   erinnert sie sich lachend. Sie traute sich. Zun Lachen war ihr damals dennoch nicht immer zumute. Türkische Lebensmittel gab es so gut wie gar nicht zu der Zeit. Einmal ging sie über den Markt, sah Schafskäse. „Da kaufte ich vor Glück gleich zwei Pfund“, sagt sie und lacht. Heute sei das alles nicht mehr vorstellbar. Es gebe einen türkischen Supermarkt, selbst eine Moschee. Damals traf man sich zmn Beten in der Donaugasse, provisorisch. Fatma Turhan spricht gut Deutsch. Sie hat es von den deutschen Kolleginnen gelernt und von ihren Kindern. Im Laufe der Jahre wurde sie von türkischen Kolleginnen gerne als Dolmetscherin in Anspruch genommen. „Ich war sogar bei zwei Geburten im Krankenhaus dabei, weil die werdende Mutter nicht Deutsch sprach. “ Auch auf Behörden hat sie Landsleute begleitet.
Sie hat einige deutsche Freundinnen, nette Nachbarinnen. Wie man in den Wald hineinschreit, so kommt es zurück, heißt es. Das ist ihre Einstellung. Wirklich schlechte Erfahrungen hat sie nie gemacht. Ihr Mann pflichtet ihr bei.
Drei Monate nach ihrer Ankunft kam Zeki Turhan nach. Der heute '70-Jährige fing in der Hutfabrik Walker an, arbeitete dann lange Jahre unter anderem in der Ziegelei Jungmeier. auf dem Bau, bei Völkl und Ilmberger. Auch seine Deutschleh- rer waren die Kollegen und die Fußballmannschaft SV Kickers, bei der er in der Freizeit zu spielen begann. erzählt er. „Deutschkurse gab es damals nicht.“ Das Ehepaar mietete eine Wohnung und holte nach langen acht Monaten die zwei Kinder nach. „Sie haben gefremdelt“. erinnert sich Fatma Turhan. Da ist er wieder der Herzschmerz. Fatma und Zeki arbei- teten Wechselschicht, der Kinder wegen. Dazwischen wurde gekocht und Wäsche gewaschen. Dank Kindergarten, -hort und deutscher Pflegeeltern („nette Leute“) lebten sich die Kinder schnell ein und lernten im Nu die deutsche Sprache. Zehn Jahre später kam ein Nesthäkchen zur Welt, in Straubing. „Damit hatte ich gar nicht gerechnet“, schmunzelt Fatma Turhan.
Wie die meisten hatten sich die beiden vorgenommen, Geld zu verdienen, zu sparen und nach Hause zu schicken. Ein Haus bauen in der Heimat, das war ihr größter Wunsch. Sie haben es geschafft, mehr als das eine Haus. Inzwischen haben sie alles verkauft - bis auf ein Sommerhaus. Seit sie in Rente sind, verbringen sie da die Hälfte des Jahres. Eines ihrer Enkelkinde?' ruft sie dort öfters an. „Oma, was macht Ihr denn da bloß so lange? Was gibt es denn da?“ fragt er, sagt Fatma Turhan und muss lachen. In Straubing nehmen sie und ihr Mann gern das Angebot der islamischen Gemeinde an. Es gibt sogar eine Rentnergruppe.
Der Wunsch, wieder in die Türkei zurückzugehen, hielt lange an, sagt auch Zeki Turhan. Aber sie seien geblieben, der Kinder wegen. Sohn Su Turhan. der als Filmemacher einen klingenden Namen hat, habe aufs Gymnasium gehen können. Der Lehrer habe dringend empfohlen, diese Chance zu nutzen. Sie haben sie genutzt. Die beiden anderen Kinder besuch- ten die Realschule. „Und alle haben Fremde geheiratet“. sagt Fatma Turhan. Sie hat eine englische und eine deutsche Schwiegertochter und einen deutschen Schwiegersohn.
Aus den zwei, drei Jahren, die sie bleiben wollten, sind über 40 geworden.

„Wir haben unseren Frieden gemacht“, sagt Fatma Turhan. „Straubing ist unsere zweite Heimat.“ Su Turhan, Jahrgang 1966, war übrigens der erste Türke, der am Ludwigsgymnasium Abitur machte. Er studierte an der Ludwig-Maxi-milians - Universität München Deutsche Literatur, filmte mit Rosel Zech, Kaja Flint und Kameramann Michael Ballhaus, dreht Do- kumentationen fürs ZDF und brachte 2010 seinen ersten Film ins Kino, „Ayla“ Wikipedia weist ihn aus als „deutschen Regisseur, Drehbuchautor und Produzent türkischer Abstammung“.